Regelfest
Gesehen, gesucht und dennoch verschwunden
16. März 2025 , Daniel Dillenburg

Adam Hadwins Abschlag landet zwischen Grün und Bunker, wird jedoch trotz intensivster Suche nicht gefunden. Die Konsequenz: Es geht zurück zur Tee-Box und mit dem dritten Schlag weiter.
Hier bei Regelfest haben wir meist Fälle, in denen die Spieler von den Golfregeln profitieren, sie zu ihrem Vorteil nutzen. Regeln sollen auf dem Platz helfen und tun dies häufig auch. Doch nun kommen wir zu einem Fall, da konnte auch kein Absatz im Regelbuch aus einer verzwickten Lage assistieren: Der Leidtragende war Adam Hadwin in Runde eins des Arnold Palmer Invitational. Auf Loch zwei des Bay Hill Club, einem schwierigen Par 3, blieb sein Abschlag etwas zu kurz links vom Grün hängen. Hadwin und seine Mitspieler dürften damit gerechnet haben, dass der Ball im Bunker gelandet war. Alle Beteiligten, inklusive Kamera, sahen den Ball fliegen und landen. Doch gefunden wurde er kurioserweise nicht.
Als Hadwin zu seinem Ball kam, musste er feststellen, dass dieser weder im Bunker liegt noch an einer anderen Stelle zu sehen ist. Es folgte eine dreiminütige Suchaktion. Eine große Gruppe inklusive Marshalls beteiligte sich und waren etwas verzweifelt: Wo war Hadwins Ball denn nun geblieben? Der Platz in Bay Hill war vom vielen Regen aufgeweicht. Und genau dies wurde Hadwin zum Verhängnis. Denn offensichtlich ist sein Ball nicht nur an der dichtbewachsenen Bunkerkante aufgekommen. Er hat sich dort regelrecht in den Boden gebohrt und war nicht mehr auffindbar.
Viel ärgerlicher geht es kaum. Der Abschlag war gar nicht so weit aus der Richtung. Es fehlte nicht viel und der Ball wäre auf dem Grün gelandet. Auch eine Lage im Bunker wäre für Hadwin akzeptabel gewesen. Doch in diesem Szenario konnte man nur erahnen, wie genervt der Kanadier gewesen sein dürfte. Zumal ihm hier keine Regel der Welt aushelfen konnte. Hadwin blieb keine andere Wahl, als sein Ball für „verloren“ zu deklarieren und zurück zum Abschlag zu gehen. Es ging mit dem dritten Schlag von der Tee-Box weiter und am Ende landete das Doppel-Bogey – eines der wirklich bitteren Sorte – auf seiner Karte. Es war ein Fall, bei dem selbst die oft so hilfsbereiten Regeln keine Lösung hatten.
Das sagt DGV-Regelfachmann Dietrich von Garn dazu:
Es ist immer ärgerlich, wenn ein Ball nach einem gar nicht so schlechten Schlag nicht mehr zu finden ist. In diesem Fall hier umso mehr, als die Fernsehkamera alles im Blick hatte bis auf die kleine Fläche, auf der der Ball landete. Als es dann an die Suche ging, zeigte es sich, dass unter diesen Umständen die kleinste Fläche riesengroß werden kann: Der Ball war nicht zu finden.
Es ist bei solchen Fällen nur eine Frage der Zeit, dass ein Leser den freundlichen Kommentar abgibt „Warum lässt man ihn nicht dort droppen, wo er den Ball verloren hat? Straflos natürlich!“ Ein solches Ansinnen lässt sich recht einfach beantworten. Wenn die Stelle bekannt wäre, an der der Ball verloren ging, würde man ihn ja dort auch finden können. In diesem Fall hier ist nicht auszuschließen, dass der Ball sich unter dem Bunkersand versteckt hatte oder aber im Rough der Bunkerkante. Wo also ist die Stelle, an der der Ball verloren wurde und ein neuer Ball gedroppt werden darf? Wenn dies niemand weiß, ist der einzige Bezugspunkt die Stelle des letzten Schlags.
So leid es einem Referee in solchen Fällen tut, hier bleibt nur der Weg zurück zum Abschlag.