Natur

Der Regenwurm - Bodenarbeiter und Häufchenmacher


15. Februar 2025 , Thomas Kirmaier


Regenwürmer fressen sich kreuz und quer durch die Bodenschichten, machen Grüns und Fairways fruchtbarer, aber hinterlassen auf Sportrasenflächen häufig unschöne Kothügel. © DGV.
Regenwürmer fressen sich kreuz und quer durch die Bodenschichten, machen Grüns und Fairways fruchtbarer, aber hinterlassen auf Sportrasenflächen häufig unschöne Kothügel. © DGV.

Der 15. Februar ist der Tag des Regenwurms. Auf dem Fairway ist der Lumbricus terrestris für Golfer und Greenkeeper mehr Segen als Fluch.

Warum heißt der Regenwurm eigentlich Regenwurm? Die naheliegendste Theorie ist: Weil er bei Regen an die Oberfläche kommt und sichtbar wird. In Deutschland leben derzeit 39 Arten, weltweit sind etwa 3000 bekannt. Ihre durchschnittliche Lebenszeit beträgt zwischen drei und acht Jahre. Die für den Rasenbereich wichtigste Art ist der 9 bis 30 cm lange Tauwurm (Lumbricus terrestris). Die nachtaktiven Regenwürmer sind überwiegend Substrat- und Pflanzenfresser, das heißt, sie füllen ihren Darm mit humusreicher Erde und vermodertem Pflanzenmaterial. Wenn er die mitgefressenen Bodenbestandteile wieder ausgeschieden hat (sichtbar als „Regenwurmhäufchen“ an der Oberfläche), werden die für den Boden nützlichen Mikroorganismen gefördert und die bodenfeindlichen eingedämmt. Durch diese wühlende Tätigkeit ist der Regenwurm bodenkundlich besonders bedeutsam, jedoch auf Sportrasenflächen häufig unbeliebt.

Für den Golfspieler sind die Ausscheidungen störend, wenn diese zahlreich an der Erdoberfläche auftreten und ein kontrolliertes Spiel nicht mehr zulassen. Bei massivem Auftreten auf den Fairways verschmutzen die Golfbälle und es besteht Rutschgefahr, unter Umständen muss sogar mit Besserlegen gespielt werden. Bei ungünstigen Bodenverhältnissen werden diese Wurmlosungen zusätzlich durch die Mähaggregate oder Reifen zu kleinen etwa fünf Zentimeter großen Fladen zerdrückt und verschmiert. An diesen Stellen wird der Graswuchs behindert und es können Kahlstellen entstehen.

Tiere auf dem Golfplatz

Lustiger Geselle: Dieser Koala schaut bei der ISPS Handa Vic Open in Australien den Golfern zu. © Jack Thomas/Getty Images
Zebras bei der Magical Kenya Ladies Open nahe Mombasa © Tristan Jones/LET
Ein Fuchshörnchen bei der Valspar Championship in Florida © Douglas de Felice/Getty Images
Ein Raubadler bei der 150. Open Championship in St. Andrews © Richard Heathcote/Getty Images
Der Vogel heißt Wiedehopf und schaut der Dubai Desert Classic im Emirates GC zu. © Ross Kinnaird/Getty Images
Ein Tanuki, ein japanischer Marderhund, bei der Miyagi TV Cup Dunlop Ladies Championship in Japan © Atushi Tomura/Getty Images
Eine Gänsefamilie im GC St. Leon-Rot © DGV/Kirmaier
Ein Känguru im Karrinyup Country Club/Australien © Paul Kane/Getty Images
Ein Leguan bei der Puerto Rico Open in Rio Grande © Mike Mulholland/Getty Images
Ein Reiher bei der Player's Championship in Florida © Sam Greenwood/Getty Images
Ein Schwan im irischen K Club © Charles McQuillan/Getty Images
Nilpferde bei der Alfred Dunhill Championship in Südafrika © Warren Little/Getty Images
Ein Eichhörnchen bei der CP Women's Open in Ottawa/Kanada © Vaughn Ridley/Getty Images
Ein junger Hirsch bei der RBC Heritage in South Carolina/USA © Jared C. Tilton/Getty Images
Ein Alligator beim Arnold Palmer Invitational in Orlando © Michael Reaves/Getty Images
Ein Fischadler im TPC Sawgrass in Florida © Jared C. Tilton/Getty Images
Impalas sind afrikanische Antilopen, hier gesehen im Gary Player CC in Südafrika © Stuart Franklin/Getty Images
Tierisches Treiben herrscht in einem Teich des Colonial Country Club in Texas, wo ein Ochsenfrosch eine Libelle trifft. © Tom Pennington/Getty Images

Um die nachteiligen Auswirkungen auf das Golfspiel zu mindern, müssen gezielt Maßnahmen durchgeführt werden, die Regenwürmer möglichst nicht anlocken bzw. vertreiben. Hierzu zählen insbesondere: die Reduzierung des Nahrungsangebots durch Entfernen von Schnittgut und Laub und einer regelmäßigen Filzkontrolle; Bodenlockerungsmaßnahmen (Regenwürmer sind geräuschempfindlich); die Schaffung einer möglichst trockenen Oberfläche (z.B. durch Tauabwedeln); die Ausbringung und Einarbeitung von verwitterungsbeständigen, scharfkantigen Sanden, da Regenwürmer eine sehr empfindliche Außenhaut haben. Dadurch zerfallen auch die Regenwurmhäufchen bei trockenem Wetter bzw. Abtauen/Abschleppen besser.

Grundsätzlich sind Regenwürmer also als wünschenswert zu betrachten, da sie nicht nur zum Abbau von Rasenschnittgut und Laub beitragen, sondern auch durch die von Ihnen gegrabenen Röhren dafür sorgen, dass Wasser leichter in den Boden eindringen kann. Durch die Röhren können dann die Wurzeln der Gräser besser und tiefer wachsen und die Nährstoffaufnahme wird erleichtert. Den großen Nutzen der Regenwürmer erkannte bereits Aristoteles, der die Bodenarbeiter als „Eingeweide der Erde“ bezeichnete. Wo ein Wurm ist, atmet die Erde, der Boden lebt oder: ohne Regenwürmer müssten auf den Golfanlagen weit mehr Greenkeeper angestellt werden, was das Spiel teurer machen würde. So sind sie auf Golfplätzen dann doch mehr Segen als Fluch.