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Der Sonntags-Tipp
Petra Himmel |Der Sonntagstipp: Persönlich, nicht wissenschaftlich untermauert, vielleicht völlig falsch. Aber was soll‘s, das sind meine persönlichen Tipps für den Masters-Tipps 2013: Angel Cabrera: Seit November Großvater, frischverliebt, Ex-Masters-Champion. In der Weltrangliste irgendwo jenseits der 200. Macht nichts. Schon bei seinem letzten Sieg kam Cabrera aus dem Nichts. Aber immer dann, wenn das Getümmel an der Spitze am größten ist, beißt sich der Argentinier so richtig durch. Das hat er schon als bitterarmer Caddie in Cordoba gelernt. Sein Englisch ist nach all den Jahren als Profi noch immer gruselig. Macht nichts. Augusta mag er trotzdem. Ein heißer Tipp. Brandt Snedeker: Nicht so schnell. Einmal tief durchatmen bitte, möchte man dem Amerikaner zurufen. Er spricht schnell, er geht schnell, er spielt schnell. Nichts davon ist grundsätzlich verwerflich. Aber wer an einem Masters-Sonntag zu schnell wird, macht gerne einen Denkfehler, der in irgendeinem üblen Score endet. Was für ihn spricht: Nach all‘ seinen Erfolgen auf der US Tour ist er an den Druck der Schlussrunde gewöhnt. Und: Er ist ein begnadeter Putter. Das hilft. Aber auch da ist er schnell. Adam Scott: Wenn Scott eines bei seiner furchtbaren Pleite in Lytham & St. Annes 2012 bgelernt hat, dann, dass er eigentlich locker ein Major-Turnier gewinnen kann. Der Australier ist einer der komplettesten Spieler auf der Tour, längst überfällig für den ersten großen Sieg. Bei genauer Überlegung fällt einem eigentlich nichts ein, was Adam Scott an diesem Sonntag wirklich schwächen sollte. Marc Leishman. Nein nicht wirklich das, was man einen Favoriten kommt. Es wird irgendwo einen dieser fatalen Maters-Moment geben, an dem Marc Leishman einen klitzekleinen Fehler macht, der riesengroße Auswirkungen hat und dieses Turnier für ihn erledigt. Natürlich könnte es diesen unerwarteten, überraschenden Sieger Marc Leishman geben. Glaubt aber niemand dran. Und niemand hier in Amerika findet die Idee toll, einem gänzlich unbekannten Typen vom anderen Ende der Welt ein grünes Jackett umzuhängen. Jason Day: Wären da nicht die zwei letzten verpatzten Putts heute gewesen, wäre man geneigt zu sagen, dass dieser Mann ein Top-Favorit ist. Aber das sah dann doch ein wenig nach flatternden Nerven aus. Auf jeden Fall ist das hier schon wieder ein Australier, was vielleicht auch damit zu tun haben könnte, dass die Australier immer auf superschnellen Grüns putten und mit dem Putten in Augusta deshalb besser zurecht kommen als andere. Matt Kuchar: Der Eindruck täuscht. Dieser Mann wirkt superlocker, superfreundlich, superentspannt. Aber Achtung. Dieser Mann ist zwar tatsächlich superfreundlich aber alles andere als locker, weil er superungern verliert und wenn’s nur beim Mensch-ärger-Dich-nicht ist. Tim Clark: Der Südafrikaner hatte seine besten Jahren zwischen 2006 und 2009. In den Zeitraum fallen auch drei Top Tens bei der US Masters. Seitdem ist er ein wenig vom Bildschirm verschwunden. Die Wahrscheinlichkeit, dass er es mit einem Angel Cabrera aufnehmen kann, ist eher gering. Tiger Woods: Wie immer wartet alle Welt auf ein Wunder. Weil dieser Mann doch ständig Wunder vollbringt. Am Samstag wirkte er bei all den verpassten Putts allerdings relativ menschlich. Da hätte es ein paar kleine Wunder gebraucht. Fest steht, nach dem Regelfall und dem ausgelippten Putt wäre ein Sieg eine Sensation. Aber: Er hat noch nie ein Major gewonnen, wenn er am Sonntag nicht geführt hat. Trotzdem: Er ist noch immer im Rennen, und wenn er zu Beginn der Runde heiß läuft, könnte sich das Blatt ganz schnell zu seinen Gunsten drehen. Bernhard Langer: Fünf Schläge zurück, mit Rickie Fowler, Steve Stricker, Lee Westwood und Jim Furyk auf dem neunten Rang. Ein Außenseiter, wenn es um den Sieg geht. Aber ein Spieler, dem die Gegner nicht so wirklich über den Weg trauen. Langers Stunde könnte kommen, wenn vor ihm alle zusammenbrechen und nicht sonderlich tief geschossen wird. Langer ist einer, der sein Ergebnis mit aller Macht durchbringen kann. Kein Mensch weiß, wie man sich so konzentrieren kann wie er. Wer weiß, vielleicht passiert ein deutsches Wunder?
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Bubba allein am Tee
Petra Himmel |Die neue Cut-Regelung von Augusta National hat Billy Payne, der Chairman des Augusta National Golf Clubs, dieser Tage erklärt. Die besten 50 Spieler kommen nach zwei Runden weiter. Außerdem alle Spieler, die innerhalb von zehn Schlägen Abstand zum Führenden liegen. Die letzte Regelung kommt Bubba Watson, dem Vorjahressieger entgegen: Mit vier über Par hat er gerade noch den Cut überstanden geht am Samstag um 9.25 Uhr Ortszeit als erster Spieler auf die Runde. Alleine, nur mit einem Zähler. Für einen, der im vergangenen Jahr noch im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stand, eine merkwürdige Angelegenheit.
Dauerbrenner Ü50
Vijay Singh, Fred Couples, Bernhard Langer und Sandy Lyle sind die Masters-Dauerbrenner. Alle über 50 Jahre alt, alle auch während der Finalrunden noch im Rennen. "Grundsätzlich ist es mein Ziel, mich nicht jede Woche bei einem Turnier umzubringen wie bei diesem Turnier", erklärt Fred Couples. Für das Masters macht er eine Ausnahme, weil ein Sieg die Erfüllung all‘ seiner golferischen Träume bedeuten würde.
Was er tun würde, wenn er am Sonntag gewinnt. "Ich würde sofort mit dem normalen Golf aufhören und nur noch jedes Jahr das Masters spielen", erklärt er mit einem schwärmerischen Lächeln. Er weiß: Davor muss er am Samstag besser spielen als im vergangenen Jahr. Da führte er das Feld sogar an, wurde am Ende aber nur Zwölfter. "Es muss definitiv besser laufen als 2012", sagt Couples mit Bezug auf die damalige 75er Runde. Eigentlich kann es nur besser werden.
Zu langsam
Die Nachricht des Tages betrifft den jungen Chinesen Tianlang Guan, der in der zweiten Runde einen Strafschlag wegen zu langsamen Spiels erhält. Während die US Fernsehstationen die Entscheidung in den folgenden Stunden Länge mal Breite diskutieren, um zu hinterfragen, ob man einen 14-Jährigen bei seinem ersten Masters bestrafen sollte, findet dessen Vater eine einfache Erklärung: "Eine Regel ist eine Regel."
Der verantwortliche Regelrichter, sieht das genauso. "Das hier ist das Masters." Will heißen: Dies ist nicht die Mickey Mouse Championship der unter 14-Jährigen, bei der man mal eine kleine Ausnahme machen könnte. Genaugenommen ist der Junge schlicht seiner Unerfahrenheit zum Opfer gefallen. Aufgrund des ständigen wechselnden Windes fiel die Entscheidung für einen Schläger am Freitag schwer - allen Spielern.
Während die Routiniers der Szene aber erst dann eine Position der Schlagvorbereitung einnehmen, wenn ihr Caddie alle Abmessungen und Entscheidungen zur Schlägerwahl bereits erledigt hat, stellte sich Guan frühzeitig an seinen Ball, überlegte hin und her und wurde schließlich bestraft, nachdem er schon eine Warnung erhalten hatte.
Schicksal spielt Woods einen Streich
Wie sich Tiger Woods zu dieser Frage äußerte: "Hat er eine Vorwarnung bekommen? Wieso hat er sich dann nicht beeilt?"
Dafür spielte Woods das Schicksal an Bahn 15 einen Streich. 87 Yards hatte er ins Grün, spielte ein perfektes Wedge. Der Ball traf den Flaggenstock, hätte von dort aus auch ins Loch fallen können. Stattdessen sprang er weg und rollte ins Wasser. Woods machte den gleichen Schlag noch einmal. Wieder perfekt. Der Ball landet einen Meter neben der Fahne. Woods spielt ein Bogey und verliert die Führungsposition.
Am lauten, aufmunternden Beifall der Zuschau kann man bemerken, dass man dem Weltranglistenersten all‘ seine Affären längst verziehen hat. Am Ende des Tages fehlen ihm drei Schläge auf den Führenden Jason Day.
Jason Day. Ein potentieller Sieger. Gut möglich. Schließlich verkündete Severiano Ballesteros nach einer Runde mit dem Australier schon vor sieben Jahren, dies sei ein zukünftiger Star. 2011 lag Day beim Masters bereits im Rennen um den Sieg, wurde am Ende nur Zweiter.
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In den besten Jahren
Petra Himmel |
Zwei Männer jenseits der 50. Beides ehemalige Masters-Champions. Beides Spieler, die bei diesem US Masters im Augusta National Golf Club vielleicht auch eine gemächlichere Herangehensweise wählen könnten wie etwa der 61-jährige Ben Crenshaw, der am Donnerstag seine Aufgabe vor allem darin sieht, dem jugendlichen Nachwuchs an seiner Seite den Platz zu erklären. "Ich könnte das nicht. Ich will nicht nur herumlaufen und jedem im Weg stehen", philosophiert Fred Couples vor sich hin. Wie lang wohl wird er bei diesem Turnier noch mithalten können? Jetzt, so weiß er, "genieße ist es noch." Und: "Ich bin ziemlich gut in Form." Angesichts seiner herausragenden ersten Runde mit vier unter Par steht das außer Frage.
Er und Bernhard Langer, das ist das Gespann der beiden Mittfünfziger, die bei diesem Turnier erneut bewiesen haben, wie konkurrenzfähig ihr Spiel auch in normalen Turnierfeldern ist, obwohl beide längst fast ausschließlich auf der Senioren-Tour aktiv sind.
"Ich bin hier, um zu gewinnen", sagt Bernhard Langer. Er meint das ernst. "Ich kenne den Platz, das Masters ist immer ein guter Ort für mich gewesen", resümiert Couples. Beide gehen an diesem Freitag früh auf die Runde. Beide wissen: Können Sie die Leistung vom Donnerstag noch einmal abrufen, liegen Sie für das Wochenende gut im Rennen.
Langer hat an diesem Freitag dabei das schlechtere Los erwischt. Die Gewitterfront, die schon für Donnerstagabend anvisiert war, ist in der Nacht zum Freitag durchgezogen. Der gestern noch steinharte Platz ist aufgeweicht. Für Langer, der ohnehin mit den extrem langen Löchern kämpft, wird die Sache dadurch, dass die Bälle weniger rollen, nicht einfacher. Und doch: Wer den 55-Jährigen gestern bei seiner ersten Runde beobachtete, stellte fest: Er rückt dem Platz mit einer Beharrlichkeit zu Leibe, die effektiv ist. Bis zu 40 Meter lag der Deutsche mit dem Drive hinter dem Longhitter Stenson.
Was andere Herren zur Raserei treiben würde, lässt Langer gänzlich kalt. "ich spiele voll auf Angriff", stellt er fest. Will heißen: Sein Hybrid hat er immer wieder in der Hand, wenn der Schlag ins Grün ansteht. Rund ums Grün punktet er mit Detailwissen und penibler Herangehensweise. "Egal, was kommt, er ist immer vorbereitet", hat Martin Kaymer in dieser Woche wieder einmal festgestellt. Nach 100 Masters-Runden kennt Langer jedes Hügelchen, jede Welle im Schlaf. Ein Wissensvorsprung, den er zumindest am Donnerstag nützte.
An Selbstvertrauen mangelt es ihm wie Couples dieser Tage ohnehin nicht. Auf den Turnieren der Champions Tour ist für beide ein Platz unter den Top 5 Standardprogramm. Couples hat in Augusta obendrein den Vorteil der größeren Länge. "Ich nütze meine Drives" sagt er mit einem kleinen Lächeln. Der 53-Jährige steht den jungen Kollegen in Sachen Länge in nichts nach.
Gestern Abend, als sich die erste Runde dem Ende neigt, gaben beide ihre Interviews vor reichlich Journalisten. Der Auftritt der Senioren fasziniert. Auch deshalb, weil sie das Spiel der muskelbepackten jungen Kollegen mit drei Coaches, Privatkoch und Management im Gepäck relativieren. Zu Zeiten der Masters-Siege von Couples und Langer gab es die Rundumversorgung der Pros noch nicht, die Preisgelder waren kleiner. Aber Golf gespielt hat man offenbar nicht schlechter als heute.
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Die Autorin
Petra Himmel, 43 Jahre alt, ist als freiberufliche Journalistin auf den Bereich Golf spezialisiert, hat mehrere Bücher veröffentlicht und arbeitet für zahlreiche große Tagezeitungen wie die Süddeutsche Zeitung (inkl. Golf Spielen) oder den Zürcher Tagesanzeiger. Zum Golf kam sie selbst eher zufällig vor 16 Jahren, inzwischen hat die Münchnerin, die im GC Olching spielt, es auf Handicap 4,1 gebracht.
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