• Besuch bei den Major-Siegern

    Petra Himmel  | 

    Ein eklig kalter Tag in Nordirland. Genauer genommen in Portrush, diesem Ort, der seit einigen Jahren weltweit für Aufregung unter den Golfern sorgt, weil der Open-Champion Darren Clarke hier um die Ecke wohnt, der US-Open-Champion Graeme McDowell aus dem örtlichen Rathmore Golf Club stammt und der Weltranglistenzweite Rory McIlroy hier in seiner Jugend unzählige Runden auf dem Platz des Royal Portrush Golf Club gespielt hat und als 16-Jähriger den Platzrekord aufstellte, der mit 61 Schlägen noch heute gilt.

    An diesem Freitag, als der Wind mit 50 Stundenkilometern über die Anlage heult und der Regen gegen die Fenster des großen hellgelben Clubhauses von Portrush klatscht, ist zumindest einer der drei Herren vor Ort: Darren Clarke steht auf dem viereckigen Puttinggrün nahe der Hausmaür und puttet. Und weil das bei solch' einem miserablen Wetter außer ihm sonst niemanden einfällt, löst das auch ein Problem des Clubs: Der Champion Clarke lässt für sich ansonsten immer zwei Stunden das Puttingrün sperren, wenn es ihm gerade behagt, was nicht alle der rund 1500 Mitglieder großartig finden.

    Überhaupt werden die drei Caddies, mit denen man im Verlauf einer 18-Löcher-Runde über das Thema Darren Clarke spricht, nicht müde zu betonen, dass Clarke ja eigentlich aus Dungannon stammt und kein echter Einheimischer ist wie Graeme McDowell, dem ganz offensichtlich hier die meiste Symapthie gehört. Das mag damit zu tun haben, dass er offenbar der einzige aus dem Trio ist, der sich auch heute noch regelmäßig auf ein Bier mit Freunden im Clubhaus einfindet.

    Das Clubhaus: Die Bedeutung eines Clubs wie Royal Portrush kann man vielleicht daran Ermessen, dass in einem Treppenaufgang zwei ziemlich große Tafeln hängen, auf denen wichtige Namen festgehalten sind. Nicht die von Clubmeistern, Präsidenten oder irgendwelchen glücklichen Hole-in-One-Schützen. Sondern, die von Titelträgern bei "Major Championships and important Events". Wichtig ist zum Beispiel eine Irish Open oder British Amateur Championship. Auf den zwei Tafeln finden sich locker 50 Namen. So etwas nennt man dann Clubhistorie.

    Der Manager des Clubs heisst John, er trägt Flanellhose und blaues Jackett und weist völlig zu Recht freundlich darauf hin, dass man die Mütze doch bitte absetzen möge, wenn man das Clubhaus betrete. Er findet dann auch eine Erklärung dafür, dass es hier so viele Spitzenspieler gibt: Wer sein Leben lang mit den schwierigen Plätzen von Rathmore und Portrush umgehen muss und in fünf Minuten Fahrtzeit Entfernung auch noch die 36 Löcher von Portstewart vor der Nase hat, erreicht schon fast zwangläufig ein ordentliches Niveau. Das Jugendprogramm in Portrush besuchen gut 140 Kinder und wer sich einmal umgesehen hat in dem Ort, weiß, dass es außer Golf und Fussball nicht sonderlich viel gbt, was man hier machen könnte.

    Für etwas Wirbel sorgt seit ein paar Jahren das Projekt von Bushmills Dunes, das in etwa zehn Minuten Fahrtzeit von Portrush entfernt im örtchen Bushmills entstehen soll. Bis heute Ist die Gegend vor allem wegen des Unesco Weltkulturerbes Giant's Causeway, einer beeindruckenden Ansammlung von Gesteinsformationen vor großen Klippen, bekannt.

    Das 100 Millionen Pfund Projekt eines amerikanischen Geschäftsmannes, der geborener Nordire ist, beinhaltet ein 5 Sterne Hotel und einen 18-Löcher-Golfplatz. Nach jahrelangen Rechtsstreitigkeitigkeiten mit dem National Trust wurde Im Januar nun die Baugenehmigung erteilt. Wer einen Blick auf die wunderschöne Dünenlandschaft wirft, durch die sich die Golflöcher ziehen werden, erkennt, dass es den Iren mit ihren Golplartzen so geht wie den Deutschen und Österreichern mit ihren Skipisten: Die Frage über den Sinn oder Unsinn der Verbauung noch intakter Landschaft stellt sich auch hier.

    Wieviele Golfspieler in Nordirland am Ende nach den berühmten alten Linkskursen wie Portrush, Portstewart, Royal County Down oder auch Castelrock suchen, wieviele stattdessen den neuen Platz eines modernen Resorts bevorzugen, wird sich zeigen. Im nordirischen Lough Erne, wo demnächst der G 8 Gipfel tagt, hat man sich in dieser Hinsicht offenbar verspekuliert. Das Resort wird inzwischen von einer Art Bad Bank der Regierung gemanaged. Wenn demnächst dort Putin und Merkel tagen, soll das allerdings werbewirksame Auswirkungen auf die Tourismusindustrie haben.

    Dem normalen nordirischen Golfer ist das erst alles erst einmal vergleichsweise egal. Golfclubs gibt es hier an jeder Ecke, Linkskurse auch. Direkt neben dem geplanten Resort von Bushmills Dunes liegt der 9-Löcher-Platz des Buschfoot Golf Clubs. Mit mehr als 900 Mitgliedern ist es der größte 9-Löcher-Club Nordirlands. Funktioniert prächtig. Nur im Sommer, so meint der Präsident, ist es recht voll. In einem Land mit reichlich Golf-Tradition kann man aber offenbar auch damit problemlos umgehen.



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  • Alle in Wentworth

    Petra Himmel  | 

    Haben alle für die BMW PGA Championship gemeldet: Team Europe 2012

    Die frohe Meldung ereilt uns heute von der European Tour: Bei der BMW PGA Championship in Wentworth vom 23. bis 26. Mai wird Europas Ryder-Cup-Team, welches "für immer mit dem Wunder von Medinah" in Verbindung gebracht werden wird, vollzählig an den Start gehen. Man wird die Herren also noch einmal ausgiebig feiern und ein paar Tage bei diversen Gelegenheiten im Heroentum des vergangenen Herbstes schwelgen. War ja auch wirklich eine tolle Nummer!

    All‘ den vergangenen Leistungen zum Trotz hält sich in dieser Saison aber hartnäckig der Eindruck, dass es nicht wirklich die Europäer sind, die das Geschehen bestimmen. Siege jedenfalls vermisst man seit geraumer Zeit, einige Ryder-Cup-Heroen wie Martin Kaymer, Nicolas Colsaerts, Francesco Molinari und Paul Lawrie haben sich eher in Richtung Turniermittelfelder verabschiedet und kämpfen häufig mit dem Cut. Ein echter Lichtblick ist da der Sieg Graeme McDowells vom Sonntag. Der Nordire schießt damit im aktuellen FedEx-Cup-Ranking von Rang 50 auf sechs vor. Er ist der einzige Spieler aus dem Ryder-Cup-Team, der überhaupt unter den Top 20 geführt wird, obwohl fast alle Spieler inzwischen weitgehend in den USA tätig sind.

    Die Ryder Cup-Stars im Einzelüberblick

     
    Graeme McDowell
    Nach seinem US-Open-Sieg 2010 fiel der Nordire in ein Loch, spielte 2011 unbefriedigend und arbeitet sich seit 2012 konstant nach vorne. Seit dem Ryder Cup hat er auf der US PGA Tour schon drei Top-Ten-Platzierungen und einen Sieg zu melden. Der einzige Champion unter den Ryder-Cup-Heroen.
     
    Justin Rose
    Nach einer herausragenden Saison 2012 hält sich Rose konstant unter den Besten der Welt. Der Weltranglistenvierte gehört im Moment eindeutig zu den leistungsstärksten Vertretern Europas. Das beweisen Platz 13 in der Moneylist der PGA Tour und Rang elf im Race to Dubai. Vier Top Tens bei sieben Starts machen ihn neben McDowell derzeit zur Nummer eins im Team.
     
    Sergio Garcia
    Es geht weiter bergauf. Auch nach dem Sieg von Medinah beweist der Spanier weiter aufsteigende Form. Inzwischen führt er das Race-to-Dubai-Ranking an. Auch in Augusta konnte er mit Rang acht überzeugen. Der Sprung zurück unter die Top Ten der Weltrangliste scheint nur eine Frage der Zeit.
     
    Rory McIlroy
    Nicht viel Neues von der Front: Die Szene ist einig. In Hochform sind Tiger Woods und Rory McIlroy eine Liga für sich. Seit Medinah war aber nur der zweite Platz bei der Valero Texas Open ein kleiner Lichtblick. Ansonsten: Viel Schlagzeilen um Ausrüstung und Beziehung. Sportlich enttäuschend.
     
    Ian Poulter
    Eigentlich hat man von Poulter in diesem Jahr noch nicht viel gesehen. Die erste Chance, auch bei einem Major-Turnier für die Furore zu sorgen, die er beim Ryder Cup anzettelte, ging mit einem verpassten Cut in Augusta vorbei.   
     
    Luke Donald
    In den letzten drei Wochen scheint der Brite nach einem schlechten Saisonauftakt wieder in Form zu kommen. Platz vier bei der Tampa Bay Championship und jetzt ein dritter Rang in Hilton Head bedeuten aufsteigende Tendenz.

    Peter Hanson
    Die Leistungen des Schweden entsprechen seinem Image: Ordentlich aber nicht spektakulär. Hanson punktet kontinuierlich, spielt aber selten um den Sieg mit.
     
    Martin Kaymer
    Mit einem verwandelten Putt zum Sieg beim Ryder Cup schrieb Kaymer kurzzeitig noch einmal Schlagzeilen. Seitdem geht es in der Weltrangliste weiter kontinuierlich bergab. Über einen 35. Rang ist der Deutsche auf der US PGA Tour, wo er 2013 bis dato weitgehend spielte, noch nicht hinausgekommen.
     
    Lee Westwood
    Der Brite hat sich mit seinem Umzug in die USA und verschärftem Kurzspiel-Training wieder verstärkt auf seine Golf-Karriere konzentriert. Rang zehn in Houston und Platz acht in Augusta zeigen eine positive Tendenz an. Lee Westwood aber dürfte auf Dauer ohnehin nur der fehlende Major-Titel interessieren.
     
    Nicolas Colsaerts
    Der Ryder-Cup-Debütant brillierte in Medinah und ließ für die Zukunft mehr erwarten. Die Ergebnisse der Saison aber sind nicht sonderlich erfreulich. Auf der US PGA Tour kämpft der Belgier meist um den Cut.
     
    Francesco Molinari
    Die Saison 2013 verläuft bis dato äußerst unerfreulich. Keine einzige Top-Ten-Platzierung. Der Verbleib unter den Top 50 der Welt scheint zunehmend in Gefahr.
     
    Paul Lawrie
    Die Qualifikation für das Ryder-Cup-Team kam überraschend. Seitdem kämpft sich der Schotte - angesichts seines Alters von 44 Jahren nicht wirklich überraschend - mehr oder weniger durch die Turniere. Verlaufen die nächsten Wochen ähnlich wie der Beginn der Saison, ist auch er ein Kandidat, der aus den Top 50 der Welt fallen könnte.


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  • Woods wird zum Dauerthema

    Petra Himmel  | 

    Die Regelentscheidung zu Tiger Woods' Drop beschäftigt weiterhin die Gemüter. Diverse Aspekte werden vor Ort diskutiert.

    Wollte Tiger bei dem Drop wirklich schummeln? Wohl kaum, sonst hätte er ja im Anschluss an die Runde im CBS-Interview nicht locker-flockig erklärt, dass er den Ball absichtlich zwei Yards weiter hinten droppte. Viel näher liegt wohl die Vermutung, dass er die Regel 26 nicht genau kannte und unter Umständen sogar noch weiter hinten gedroppt hätte, wenn ihm der Schlag dann angenehmer gewesen wäre.

    Freundliche Regelauslegung
    Wie hat die Regel 37 in ihrem ersten Ernstfall funktioniert? Eigentlich nicht so toll. Geschaffen wurde sie eigentlich für den Fall, dass Spieler Regelverletzungen begehen, die Spieler selbst gar nicht bemerken, die aber dann im Fernsehen oder in der Zeitlupe bemerkt werden. Also: Bewegte Bälle beim Putten. Berührte Blätter beim Schwung etc. An einen Fall wie den von Tiger hatte eigentlich niemand gedacht.

    Was lernen wir wieder einmal über die Regeln? Dass sie sowieso nicht gleich für alle sind, weil irgendein No-Name-Pro am Donnerstag, dem das gleiche passiert wäre, überhaupt nicht im Fernsehen übertragen worden wäre, kein CBS-Interview gegeben hätte und deshalb problemlos mit dem Regelbruch durchgekommen wäre.

    Lesen Sie hier eine detaillierte Beschreibung des Vorfalls.

    Tigers Fall die große Ausnahme?
    Gibt es Sonderregulungen für die Big Names? Vielleicht: Rory McIlroy kam vor zwei Jahren unbeschadet davon, als er nach seinem Schlag aus dem Bunker, den Sand wegkickte, obwohl der Ball den Bunker nicht verlassen hatte und Rory damit eigentlich den Sand getestet hatte. Er unterschrieb die Scorekarte ohne zwei Strafschläge. Später regelte man den Fall so, dass er den Sand nur geglättet habe. Kein Mensch verstand die Entscheidung.

    Oder: Arnold Palmer spielte 1958 mit Ken Venturi um den Sieg. Am zwölften Loch hatte er Probleme mit der schlechten Lage seines ersten Balles, den er zu einer Fünf zu Ende spielte. Daraufhin brachte Palmer einen zweiten Ball ins Spiel, mit dem er zur Drei lochte. Die Regelrichter entschieden für Arnold Palmer, obwohl nicht nur Ken Venturi der Meinung war, dass eigentlich die Fünf der passende Score war.

    Jetzt also Tiger
    Fest steht: die Regelentscheidung war richtig. Über die Frage, ob sich Woods selbst hätte disqualifizieren sollen, kann man streiten. Ob Nick Faldo, der Woods mit am heftigsten kritisierte, es getan hätte, wenn es um einen Masters-Sieg ging? Sicher ist nur, dass die US-Fernsehanstalten sehr unglücklich gewesen wären, wenn Woods das Wochenende nicht bestritten hätte. Die Quoten wären in den Keller gefallen.   


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Petra Himmel
Die Autorin

Petra Himmel, 43 Jahre alt, ist als freiberufliche Journalistin auf den Bereich Golf spezialisiert, hat mehrere Bücher veröffentlicht und arbeitet für zahlreiche große Tagezeitungen wie die Süddeutsche Zeitung (inkl. Golf Spielen) oder den Zürcher Tagesanzeiger. Zum Golf kam sie selbst eher zufällig vor 16 Jahren, inzwischen hat die Münchnerin, die im GC Olching spielt, es auf Handicap 4,1 gebracht.



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Die Kolumne von Petra Himmel