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Lucky 33: Die Golf-Community in der Allianz-Arena
Petra Himmel | 12.05.2013 | 19:08 Uhr
Crossgolfer, Minigolfer, Golfer: Drei Gruppierungen, die eigentlich nur begrenzt miteinander zu tun haben. Oder sollte man sagen: Die eigentlich gar nichts miteinander zu tun haben? Über das Facebook-Gewinnspiel von Lucky 33 und der Allianz haben sie sich zusammengefunden. Überraschend eigentlich. Denn um ehrlich zu sein: Unter den 33 Gewinnern, die sich an diesem Wochenende in München in der Allianz-Arena trafen, hätte man eigentlich 33 junge Golfer aus Deutschland bis vielleicht 25 Jahre erwartet. Menschen, die Golf spielen und obendrein fähig sind, unfallfrei einen Facebook-Account zu bedienen und ein Foto hochzuladen. Menschen, die obendrein noch Witz und Motivation mitbringen und sich ein Motiv zu Golf und dem FC Bayern einfallen lassen.
Falsch vermutet: Die 33 Gewinner, die sich am Wochenende in München trafen, waren weitgehend Erwachsene und keineswegs nur klassische Golfer, sondern eben auch Cross- und Minigolfer. Wer ihnen an diesem Sonntag dabei zusah, wie sie von der Tribüne herab auf ein Lucky 33-Logo schlugen, in der Bayern-Kabine putteten, Motivationstänze aufführten und auf eine Torwand mit Kinderschlägern schossen, stellte fest: Spaß hatten sie alle. Völlig egal, ob sie irgendein einstelliges Handicap haben, üblicherweise auf einer Betonbahn putten oder am liebsten den Ball durch alte Festungsanlagen spielen.
Alles egal, alle spielen mit dem kleinen weißen Ball. Und: Dem Golfsport tut so eine Veranstaltung nur gut. Weil sie mal wegkommt von Regeln, Punktezählen und Handicaps. Weil sie mal nichts zu tun hat mit Stableford-Spezialisten, Equipment-Fetischisten und Menschen, die ständig genervt um die Ecke blicken, weil in 500 Meter Entfernung jemand die Nase putzt. Golf kann ernsthafter, großartiger und ambitionierter Sport sein, was die Profis in Sawgrass und Deutschlands beste Amateure ja diese Woche in der Deutschen Golf-Liga beweisen.
Golf kann aber auch einfach nur ein Spaßspiel sein, bei dem um die Ecke gedacht und Stimmung erzeugt wird. In diesem Sinne: Wie wär’s denn mit einer Riesen-Open-Air-Veranstaltung für Golfer, Cross- und Minigolfer, bei jeder mal ausprobiert, was die anderen so machen? Am besten mit Live-Musik, reichlich Würstchen-Buden und einem riesigen Kinderprogramm. Könnte ja sein, dass all‘ die Sportler mit dem kleinen weißen Ball vielleicht doch ein paar Gemeinsamkeiten haben.
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Kieffer - neue Hoffnung
Petra Himmel | 08.05.2013 | 23:31 Uhr
Es gibt nur noch dieses eine European-Tour-Turnier in Deutschland - die BMW International Open. In diesem Jahr zum 25. Mal, nach einem Abstecher nach Köln diesmal wieder im Golfclub Eichenried bei München. Natürlich, es werden wieder Weltklassespieler an den Start treten - daneben aber ist dieses eine große Turnier auch immer eine kleine Nabelschau. Was hat Deutschland denn so zu bieten an Spielern, welcher Amateur kann punkten, welche Nachwuchsprofis werden hoch gehandelt?
Die erfreuliche Nachricht des Jahres 2013 ist dabei wohl, dass es in diesem Jahr immerhin schon vier deutsche Profis im Feld geben wird, die sich international einen Namen gemacht haben: Martin Kaymer, Marcel Siem, Alex Cejka und Max Kieffer. Max Kieffer also. BMW hat den 22-Jährigen als Sponsor unter seine Fittiche genommen, wie einst Martin Kaymer. Am Dienstagabend hat man den Düsseldorfer zum ersten Mal als BMW-Spieler vorgestellt. Der erste Eindruck: Durchaus sympathisch, der junge Mann, der vor allem durch sein Playoff über neun Löcher bei der Open des Espana im April bekannt geworden ist. Er führt derzeit in der Rookie-Wertung der PGA European Tour, er hat seine Tourkarte für 2014 bereits gesichert. Alles bestens also für den Spieler vom GC Hubbelrath, der bei seinem Pressetermin in der BMW-Welt Erinnerungen wachruft an die BMW International Open 2003, bei der ein damals 18-jähriger Martin Kaymer den Cut überstand und große Hoffnungen weckte.
Kaymer hat die hochgesteckten Erwartungen in ihn mit seinem Major-Sieg und dem Sturm an die Weltrangliste schnell erfüllt. Die Erinnerung an seinen raketenhaften Aufstieg macht das Leben für Max Kieffer nicht wirklich einfacher: Der ständige Leistungsvergleich mit Kaymer wird ihn in den nächsten Monaten verfolgen. Dabei ist Kieffer im Moment bei genauer Betrachtung noch nicht mehr als ein Jungprofi, der sich im ersten Halbjahr auf der PGA European Tour sehr ordentlich geschlagen hat. Nein, er hat noch nicht gewonnen, er ist noch kein Star, und der junge Mann versucht erfreulicherweise auch nicht, sich als ein solcher zu geben. Aber wie immer im deutschen Golf ergibt es sich angesichts der fehlenden Masse an erfolgreichen Nachwuchsspielern automatisch, dass die wenigen Vorhandenen besonders intensiv ins Visier genommen werden, ihr Potential in besonderem Maße gepriesen wird.
Wir erinnern uns: Mal beherrschte der Amateur Sean Einhaus als der Star von morgen bei der BMW International Open so manche Schlagzeile, mal wurde von Tino Schuster, Max Kramer oder Stephan Gross jr geschwärmt. Ein jeder der jungen Männer kann inzwischen eine Menge darüber erzählen, wie schwer es ist, den Sprung auf die Euroepan Tour überhaupt zu schaffen. Das zumindest hat bei Kieffer ja schon geklappt. 2014 wird er seine zweite Saison absolvieren. Er wird finanziell besser dastehen als in diesem Jahr. Nicht nur, weil er 2013 bereits ordentlich Preisgeld verdient hat, sondern auch, weil er jetzt eben einen Sponsor wie BMW hat. Dafür steht er am Mittwoch auf der Driving Range in Eichenried und lässt sich von einem Fernsehteam für BMW TV drehen.
All‘ das ist neu für Kieffer, aufregend, lässt eine tolle Zukunft erahnen. 200 Meter entfernt sitzt auf der Terrasse vor dem Clubhaus von Eichenried ein 36-Jähriger und trinkt einen Cappucchino. Er hat eine ganz normale Golfrunde gespielt. Sein Golfspiel ist ihm nicht so wirklich wichtig. Sein Name ist Dier, Tobias Dier. So manch einer der Zuschauer, die in diesem Jahr zur BMW International Open kommen, werden ihn womöglich gar nicht mehr kennen. Dabei war auch er einmal einer dieser vielbeachteten Jungstars bei der BMW International Open. 1998 hatte er sich über einen sechsten Platz auf der Challenge Tour die Tourkarte geholt. 2001 gewann er die North West of Ireland Open, 2002 die TNT Open. Da schoss er in der ersten Runde in Hilversum eine 60. Dier wurde zum zweifachen European-Tour-Turniersieger. Deutschlands Golfszene war hin und weg.
"Wir bräuchten zehn wie den Max", sagt Dier am Mittwoch in Eichenried. Bei einer Gruppe von zehn Nachwuchshoffnungen steht der Einzelne nicht so im Focus, zieht die Aufmerksamkeit nicht so an, wird nicht so schnell als potentieller Star gepushed. Max Kieffer selbst würde sich diese neun Mitstreiter ebenfalls wünschen. Zum Glück, so resümiert er seine bisherige Saison, habe er immerhin Moritz Lampert vom Golfclub St. Leon-Rot als Mitstreiter bei den meisten Turnieren gehabt. Angesichts der Tatsache, dass Kaymer und Siem viel in den USA unterwegs sind, ist man als Deutscher ansonsten bei europäischen Standardturnieren weitgehend auf sich allein gestellt.
"Die Spanier sitzen abends immer in Gruppen beim Essen", beschreibt Kieffer das übliche Szenario. "Und wir sind immer nur zu zweit." Moritz Lampert und Max Kieffer, der Qualifying-School-Absolvent und der Challenge-Tour-Aufsteiger. Zwei vielversprechende Jungprofis mit Potential. Vielleicht haben sie das Zeug zum Star. Vielleicht aber auch nicht. Noch kann das niemand wissen. Fest steht nur eins: Auch der Star Martin Kaymer wäre wohl froh um ein paar deutsche Kollegen auf seinem Niveau. Denn auch für einen Major-Sieger gilt: Jetzt, wo sich Bernhard Langer fast ausschließlich zu den Senioren verabschiedet hat, richtet sich das deutsche Interesse weitgehend auf Kaymer. Und: Bei nur einem einzigen deutschen European-Tour-Turnier wird die Aufmerksamkeit während der Turnierwoche in München quasi maximiert. Eine typisch deutsche Situation sozusagen. Ideal ist sie nicht.
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Besuch bei den Major-Siegern
Petra Himmel |
Ein eklig kalter Tag in Nordirland. Genauer genommen in Portrush, diesem Ort, der seit einigen Jahren weltweit für Aufregung unter den Golfern sorgt, weil der Open-Champion Darren Clarke hier um die Ecke wohnt, der US-Open-Champion Graeme McDowell aus dem örtlichen Rathmore Golf Club stammt und der Weltranglistenzweite Rory McIlroy hier in seiner Jugend unzählige Runden auf dem Platz des Royal Portrush Golf Club gespielt hat und als 16-Jähriger den Platzrekord aufstellte, der mit 61 Schlägen noch heute gilt.
An diesem Freitag, als der Wind mit 50 Stundenkilometern über die Anlage heult und der Regen gegen die Fenster des großen hellgelben Clubhauses von Portrush klatscht, ist zumindest einer der drei Herren vor Ort: Darren Clarke steht auf dem viereckigen Puttinggrün nahe der Hausmaür und puttet. Und weil das bei solch' einem miserablen Wetter außer ihm sonst niemanden einfällt, löst das auch ein Problem des Clubs: Der Champion Clarke lässt für sich ansonsten immer zwei Stunden das Puttingrün sperren, wenn es ihm gerade behagt, was nicht alle der rund 1500 Mitglieder großartig finden.
Überhaupt werden die drei Caddies, mit denen man im Verlauf einer 18-Löcher-Runde über das Thema Darren Clarke spricht, nicht müde zu betonen, dass Clarke ja eigentlich aus Dungannon stammt und kein echter Einheimischer ist wie Graeme McDowell, dem ganz offensichtlich hier die meiste Symapthie gehört. Das mag damit zu tun haben, dass er offenbar der einzige aus dem Trio ist, der sich auch heute noch regelmäßig auf ein Bier mit Freunden im Clubhaus einfindet.
Das Clubhaus: Die Bedeutung eines Clubs wie Royal Portrush kann man vielleicht daran Ermessen, dass in einem Treppenaufgang zwei ziemlich große Tafeln hängen, auf denen wichtige Namen festgehalten sind. Nicht die von Clubmeistern, Präsidenten oder irgendwelchen glücklichen Hole-in-One-Schützen. Sondern, die von Titelträgern bei "Major Championships and important Events". Wichtig ist zum Beispiel eine Irish Open oder British Amateur Championship. Auf den zwei Tafeln finden sich locker 50 Namen. So etwas nennt man dann Clubhistorie.
Der Manager des Clubs heisst John, er trägt Flanellhose und blaues Jackett und weist völlig zu Recht freundlich darauf hin, dass man die Mütze doch bitte absetzen möge, wenn man das Clubhaus betrete. Er findet dann auch eine Erklärung dafür, dass es hier so viele Spitzenspieler gibt: Wer sein Leben lang mit den schwierigen Plätzen von Rathmore und Portrush umgehen muss und in fünf Minuten Fahrtzeit Entfernung auch noch die 36 Löcher von Portstewart vor der Nase hat, erreicht schon fast zwangläufig ein ordentliches Niveau. Das Jugendprogramm in Portrush besuchen gut 140 Kinder und wer sich einmal umgesehen hat in dem Ort, weiß, dass es außer Golf und Fussball nicht sonderlich viel gbt, was man hier machen könnte.
Für etwas Wirbel sorgt seit ein paar Jahren das Projekt von Bushmills Dunes, das in etwa zehn Minuten Fahrtzeit von Portrush entfernt im örtchen Bushmills entstehen soll. Bis heute Ist die Gegend vor allem wegen des Unesco Weltkulturerbes Giant's Causeway, einer beeindruckenden Ansammlung von Gesteinsformationen vor großen Klippen, bekannt.
Das 100 Millionen Pfund Projekt eines amerikanischen Geschäftsmannes, der geborener Nordire ist, beinhaltet ein 5 Sterne Hotel und einen 18-Löcher-Golfplatz. Nach jahrelangen Rechtsstreitigkeitigkeiten mit dem National Trust wurde Im Januar nun die Baugenehmigung erteilt. Wer einen Blick auf die wunderschöne Dünenlandschaft wirft, durch die sich die Golflöcher ziehen werden, erkennt, dass es den Iren mit ihren Golplartzen so geht wie den Deutschen und Österreichern mit ihren Skipisten: Die Frage über den Sinn oder Unsinn der Verbauung noch intakter Landschaft stellt sich auch hier.
Wieviele Golfspieler in Nordirland am Ende nach den berühmten alten Linkskursen wie Portrush, Portstewart, Royal County Down oder auch Castelrock suchen, wieviele stattdessen den neuen Platz eines modernen Resorts bevorzugen, wird sich zeigen. Im nordirischen Lough Erne, wo demnächst der G 8 Gipfel tagt, hat man sich in dieser Hinsicht offenbar verspekuliert. Das Resort wird inzwischen von einer Art Bad Bank der Regierung gemanaged. Wenn demnächst dort Putin und Merkel tagen, soll das allerdings werbewirksame Auswirkungen auf die Tourismusindustrie haben.
Dem normalen nordirischen Golfer ist das erst alles erst einmal vergleichsweise egal. Golfclubs gibt es hier an jeder Ecke, Linkskurse auch. Direkt neben dem geplanten Resort von Bushmills Dunes liegt der 9-Löcher-Platz des Buschfoot Golf Clubs. Mit mehr als 900 Mitgliedern ist es der größte 9-Löcher-Club Nordirlands. Funktioniert prächtig. Nur im Sommer, so meint der Präsident, ist es recht voll. In einem Land mit reichlich Golf-Tradition kann man aber offenbar auch damit problemlos umgehen.
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Die Autorin
Petra Himmel, 43 Jahre alt, ist als freiberufliche Journalistin auf den Bereich Golf spezialisiert, hat mehrere Bücher veröffentlicht und arbeitet für zahlreiche große Tagezeitungen wie die Süddeutsche Zeitung (inkl. Golf Spielen) oder den Zürcher Tagesanzeiger. Zum Golf kam sie selbst eher zufällig vor 16 Jahren, inzwischen hat die Münchnerin, die im GC Olching spielt, es auf Handicap 4,1 gebracht.
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