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Gediegen - aber Vollgas
23.05.2013 | 18:42 Uhr
Auch diesmal lud die European Tour im Vorfeld ihrer Festspiele zum Gala-Dinner. Man traf sich zur Feier der Vorjahreserfolge. Klar, im Rampenlicht die Tour-Sieger und Ryder-Cup-Helden. Es ging britisch-fetzig zu - Golf.de war dabei.
Wenn es auf den Inseln heißt, man wolle zu einem festlichen Gala-Dinner mit Ausweisung "black tie" bitten, darf man sich eigentlich schon mal vorneweg auf eine konservative und vielleicht sogar leicht staubige Veranstaltung gefasst machen. Alle im Smoking, vielleicht vereinzelt in traditionellem Outfit - Kilt oder Tracht. Getäuscht. Zumindest mit den Attributen "verstaubt und konservativ". Und das galt nicht nur für Outfit oder Gebaren, sondern auch für Laudatio, Rede, Begleitprogramm.Es ging heiß, laut, bewegt, sportlich und frisch her, bei den European Tour Players' Awards im Hotel Sofitel London Heathrow. Macht Sinn, schließlich sollten ja Sportler, Sieger, sogenannte Helden geehrt werden. Und soll nicht auch der gesamte Sport überzeugen, junge Leute ansprechen, sich frisch, modern und zukunftsträchtig präsentieren. Auch im Hinblick auf Olympia? Gelungen.Neben dem natürlich wie erwartet guten Dinner ein paar kleine Höhepunkte des Dienstagabends vor der BMW PGA Championship: Nachdem der stolze Ricardo Santos für den ersten "Sir Henry Cotton Rookie of the Year"-Award eines Portugiesen geehrt wurde, bekam ein weiterer Patriot mit Miguel Angel Jiménez einen zu ihm passenden Humidor für seine Verdienste und die 600. Teilnahme an einem European-Tour-Event überreicht - und meinte: "Ich spiele seit mindestens vier Generationen Golf, kann mich kaum noch an meine Zeit als Rookie erinnern, werde aber auch mit 50 noch den jungen Burschen in den Allerwertesten treten…" Gelächter. Und dazu passend einige Clips an die Leinwand geworfen, mit schmetternder Musik und hohem Tempo.Weiter ging es mit einer launigen Rede von Ernie Els, der unterstrich, dass der Platz auf seinem Kamin neben der Claret Jug für die BMW-PGA-Trophäe frei gehalten würde. Er habe schließlich die Bunker und Tücken auf "seiner" West-Schleife des Wentworth Clubs nicht umsonst um sein Spiel herum gebaut. Geschenkt. Bei der Übergabe des "Spieler-des-Jahres-Tellers" meinte Luke Donald zu Rory McIlroy: "Du hast es geschafft, meinen so schönen Erfolg von 2011 [beide Touren zu gewinnen] nach nur wenigen Monaten ziemlich banal aussehen zu lassen."José Maria Olazábal trat einen Gang später sichtlich unbefangen auf und unterstrich, dass seine Jungs in Medinah dafür gesorgt hätten, dass er (doch) nicht das ganze Leben lang mit einem bitteren Geschmack im Mund nach "Nightmares of Medinah" mit links aufstehen müsse - das "Miracle" haben sie geschafft, da sie niemals aufgehört hatten, an sich zu glauben. Und nach einem weiteren Reißer, dem Einspieler des "Ryder Cops", der Rory McIlroy nun erneut vor einem Versäumnis bewahren musste, folgte das folgenschwere Gespräch mit Sergio Garcia über einen Zwist mit einem berühmten US-amerikanischen Golfer in einer Fragerunde mit allen nun vollzähligen 12+1 Ryder-Cup-Helden.Martin Kaymer bekam das Schlusswort. Und er nutzte es gut. Richtig gut. Jedenfalls hatte er die Lacher auf seiner Seite und fand wertvolle Worte, die von Herzen kamen. In Deutschland sieht man diesen Kaymer zu selten. Fünf Minuten Inhalt in kurz: Was ihm alles beim den Sieg von Europa über die USA besiegelnden Putt durch den Kopf ging. Und was eben nicht. Dass die Worte von Captain Ollie, er solle den Punkt liefern, egal wie, ihm taugten, da wir Deutsche es doch gerne klar und gerade mögen. Und die Übergabe eines Team-Geschenks zum Dank an Kapitän Olazábal, die zu Tränen rührte - mindestens bei Ollie. Übrigens hier in voller Länge zu sehen.
Die European Tour präsentierte sich also so jung wie nie. So dürfen selbst ausgerufene Festspiele beginnen. Hier die ganze Show in einer Bildergeschichte.
sbw
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Expertenfrust

Vor fast einem Jahr kam uns in der Redaktion die Idee, Woche für Woche Expertentipps auf die Seite zu bringen. Die PGA-Tour diente als Vorbild. Verdiente Kollegen aus der deutschen Golfbranche wie Petra Himmel, BMW-Open-Turnierdirektor Marco Kaussler, Sven Hanfft vom Golf Magazin oder Alexander Huchel (Golf Journal) sind neben der Golf.de-Redaktion mit von der Partie und orakeln munter vor sich hin.
Den meisten macht es große Freude, mit den auserwählten Spielern mitzufiebern, und natürlich flattert bei Misserfolg auch der ein oder andere Spruch durch die Redaktionsräume. So soll es ja auch sein. Mir persönlich, als Initiator dieser Rubrik, macht das Getippe auch Spaß. Zumeist aber nur von Mittwoch bis Donnerstag. Den Rest der Zeit muss mich mit halbwitzigen und herablassenden Bemerkungen der werten Kollegen auseinandersetzen. Das Wort "rote Laterne" höre ich inzwischen jeden Tag drei Mal. Und das Schlimme ist - ich kann es den Kollegen noch nicht einmal verübeln. Meine Tipps sind nicht nur nicht gut, sie sind bodenlos schlecht. Beispiel gefällig: Noch kein einziges Mal konnte ich einen Spieler in den Top zehn antizipieren - bei mittlerweile mehr als ein Dutzend Versuchen.
Zuletzt schaffte es Luke Donald (meine erste Wahl in Malaysia), erstmals den Cut bei einem regulären Turnier der European Tour zu verpassen und auch dem scheinbar idiotensicheren Tipp Phil Mickelson gelang es beim Masters, auf einmal jenseits der Top 50 aufzutauchen (zuletzt zwölf von 14 Mal in den Top Zehn); schlaggleich mit Sandy Lyle und seinem Riesenputter.
Es frustet, Woche für Woche weit nach unten scrollen zu müssen, um seinen Favoriten auf dem Leaderboard vorzufinden. Und ja, ich tue mir selbst ein wenig leid. Ich weiß, es ist im Vorfeld von Golfturnieren schwierig, einen Favoriten zu bestimmen. Die Frage ist nur, weshalb schaffen es die Kollegen?
Haben Sie Rat? Dann schicken Sie mir doch bitte Woche für Woche Ihre Favoriten. Vielleicht schaffe ich es so, meine Ausbeute zu verbessern.
Ihr verzweifelter tfi
PS: Bei der Open de España setze ich übrigens auf Gonzalo Fernandez-Castaño, der ja die vergangenen Wochen nicht allzu schlecht gespielt hatte. "Armer Gonzo" und "Mist, den habe ich auch", entgegneten die Kollegen. Nach gutem Start wurde er schließlich nur 44. Die rote Laterne bleibt mir also erstmal...
Sie können Sie sich übrigens auch beim mygolf-Tippspiel als Experte beweisen...
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'Gemeinsam essen werden wir nie'
Paul Azinger im Gespräch mit Golf.de-Redakteur Adrian Kramer
Mit dem typischen Knattern eines Vier-Takters kündigt sie sich an: eine BMW Isetta in Himmelblau und Weiß rollt lautstark um die Ecke im Tourenwagen-Pavillon des BMW Museums im Münchener Zentrum. Die Insassen hält es nicht lange in dem gerade einmal 1,38 Meter breiten und 1,34 Meter hohen Kleinstwagen. Kaum ist der Motor abgestellt, schält sich auch schon der 1,88 Meter große Paul Azinger aus dem, liebevoll Knutschkugel genannten, 60er-Jahre-Klassiker. "Ich habe noch nie in einem so kleinen Auto gesessen", scherzt der Amerikaner, der von unzähligen Stunden im Golf-Cart eigentlich an kleine Fahrzeuge gewöhnt sein sollte.
Souverän und ruhig lässt Azinger, der äußerlich längst nicht mehr an seine erfolgreichen Zeiten erinnert, die Pressekonferenz über sich ergehen. Sein Gesicht ziert ein dichter Vollbart, und der 53-Jährige hat einige Pfunde auf sein altes Kampfgewicht von knapp 80 Kilogramm gepackt. Er könnte ebenso gut als kanadischer Waldarbeiter durchgehen. Einzig das Flanellhemd und die abgetragene Blue-Jeans fehlen.
Deutsche Wurzeln
Nur allzu gern erinnert er an seine Siege 1990 und '92 in der bayerischen Hauptstadt zurück. "Über meinen ersten Sieg habe ich erst vor kurzem mit David [Feherty, Anm. d. Red.] gesprochen." Den heutigen Golf-Comedian hatte Azinger damals erst im Stechen besiegt. "Er hat mir das bis heute nicht verziehen", sagt er mit einem Augenzwinkern. Mit einem Schlag Rückstand war Azinger auf die 18 gegangen und hatte seinen Abschlag links in Richtung aus geschlagen. "Der Ball hat aber einen Zuschauer ['kahlköpfigen Deutschen', Zitat: David Feherty] am Kopf getroffen und ist zurück aufs Fairway gesprungen." Mit seinem ersten Auftritt in Deutschland verbindet er also nur gute Erinnerungen.
Im Interview mit Golf.de verrät er auch, was ihn damals dazu bewegt hatte, die Einladung nach München anzunehmen. "Ich habe deutsche Wurzeln. Meine Großeltern kommen von hier. Da hat es gepasst, der Heimat meiner Familie einen Besuch abzustatten." Den Namen haben die Großeltern bei der Auswanderung in die USA allerdings amerikanisiert: aus Atzinger wurde Azinger.
Harter Analytiker
Nach dem Ende seiner aktiven Karriere begann der 53-Jährige als Experte und Analytiker für ESPN zu arbeiten. Und diesem Beruf liegt offenbar auch eine gewisse Berufung zu Grunde. Über seinen Twitter-Kanal legt er nur allzu gerne Stärken und Schwächen aller Spieler offen. Damit hat er es sich im vergangenen Jahr auch mit Tiger Woods verscherzt. "Wir werden wohl nie gemeinsam Mittagessen gehen", sagt er zu der etwas gereizten Stimmung, nachdem er Woods öffentlich für sein schlechtes Benehmen beim Masters verurteilte und ihn als "south end of a northbound mule" bezeichnete. "Das ändert aber nichts daran, dass er wohl der beste Spieler aller Zeiten ist. Ohne ihn wäre der Golfsport nicht dort, wo er heute ist."
So verbrachte Azinger den Dienstagabend auch nicht damit, Schlaf für die bevorstehende lange Reise nach Deutschland zu suchen, sondern postete eine beeindruckende Statistik nach der anderen über Woods' achten Sieg beim Arnold Palmer Invitational. "Was er da vollbracht hat, war einfach unglaublich. Er ist wohl der einzige Spieler auf diesem Planeten, der Letzter vom Tee ist, aber das Turnier gewinnt", kann er es im Interview mit Golf.de noch immer nicht ganz fassen. "Ich glaube, er ist der beste Putter, der jemals gelebt hat."
Putter-Diskussion hinfällig
"Ich bin strikt gegen das Verbot der langen Putter", sagt der Gewinner der PGA Championship 1993. "Sie werden einfach zu lange schon von Spielern auf der ganzen Welt benutzt, und nur weil jetzt ein paar beginnen, damit große Turniere zu gewinnen, bekommen die da Oben kalte Füße." Azinger selbst war einer der Ersten, die mit einem Belly-Putter auf dem Grün gesehen wurden. "1999 war ich verzweifelt", erklärt er heute mit einem breiten Grinsen, "und ging in einen Pro-Shop in Florida."
Dort habe er wahllos einen Putter nach dem anderen aus dem Regal ausprobiert, bis er einen Mann mit einem Belly-Putter hantieren sah. "Er war recht klein, weshalb ich mir den Schaft einfach in den Bauch gesteckt habe. Ich habe jeden einzelnen Putt im Pro-Shop verwandelt." Den Putter bekam er geschenkt und der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: Das Tournament of Champions 2000 in Hawaii gewann er mit sieben Schlägen Vorsprung.
"Aber ich glaube nicht, dass sich USGA und R&A etwas sagen lassen. Der Verbot wird durchgehen, egal was Tim Finchem und die PGA Tour sagen. Es wird interessant zu sehen, was dann wirklich dabei heraus kommt."
Zum Abschluss des Events im BMW Museum chippt Azinger schließlich noch einige Gummibälle in einen offenen Oldtimer. Das höchste der Gefühle für den Amerikaner, der inzwischen einige Schulteroperationen hinter sich hat. "Ich bezweifle, dass ich noch einmal in München aufteen werde", sagt er abschließend.
Und wenn, dann würde er sich wohl eine komfortablere Mitfahrgelegenheit wünschen, als eine 60 Jahre alte Isetta in Himmelblau und Weiß.
adk
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Über das (B)Logbuch
Turniere, Platztests, Pressekonferenzen, Produktvorstellungen: In den besten Momenten seines Jobs verlässt der Golf.de-Redakteur das Büro und bereist die Golf-Welt. Und weil es abseits von Ergebnissen, Zitaten und objektiven Bewertungen von unterwegs noch viel mehr zu erzählen gibt, nehmen wir Sie ein stückweit mit und berichten in diesem Blog von versteckten Major-Momenten, Organisationschaos, peinlichen Fauxpas und überraschenden Begegnungen.
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